ARTIKEL · FORSCHUNGSREISE · FOLGE 10

Wenn Gefühl und Gegenprobe Verschiedenes erzählen

„Das kann ich.“ Manchmal ist dieser Satz eine verlässliche Auskunft. Manchmal klingt nur die Erklärung so vertraut, dass die eigene Antwort gleich mitgemeint scheint. Leider ist Wiedererkennen ein ausgesprochen überzeugender Stellvertreter für Können.

Die Lernforschung untersucht, unter welchen Bedingungen Menschen ihre spätere Leistung besser einschätzen können. Ein eigener Abrufversuch vor dem Urteil kann dabei informativer sein als das gute Gefühl unmittelbar nach dem Lesen. Auch dann bleibt die Einschätzung fehlbar.

Für Coaching liegt der Anschluss nicht darin, dem eigenen Erleben zu misstrauen oder es durch die Einschätzung eines Systems zu ersetzen. Interessanter ist, worauf ein Urteil beruht. Hat jemand etwas schon ausprobiert? Unter welchen Bedingungen? Was spricht dafür, dass es erneut gelingen könnte – und was lässt sich noch nicht beurteilen?

Auch wenn eine Beobachtung nicht zur Selbsteinschätzung passt, braucht es keinen Sieger. Der Klient kann Kontext kennen, der in der bisherigen Probe fehlte. Der Coach kann etwas übersehen haben. Eine KI könnte dieselbe begrenzte Beobachtung mit beeindruckender Sicherheit zu weit auslegen.

Ein gemeinsam vereinbarter, zum Anliegen passender Versuch könnte den Widerspruch genauer machen. Vorher wird festgehalten, was die Beteiligten erwarten. Danach lässt sich ansehen, was tatsächlich geschehen ist. Ein unerwartetes Ergebnis beschreibt zunächst diesen Versuch; es berechtigt noch nicht zu einem Etikett für den Menschen.

Folge 10 der Serie „KI, die lernen lässt“ untersucht Vertrautheit, subjektive Sicherheit und Gegenproben. Die Frage für Coaching lautet: Wie können wir Zuversicht ernst nehmen, ohne sie zum Messgerät zu erklären – und Zweifel prüfen, ohne sie zur Identität zu machen?

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