Coach und KI mit Boxhandschuhen, der Klient sitzt zwischen beiden.
KI-CHRONIKEN · FOLGE 0

Bitte nicht coachen.

Ein höchst zweifelnder Anfang mit einem KI-Hilfscoach

Bevor eine KI zwischen Coachingsitzungen helfen darf, lohnt eine unbequeme Frage: Was geschieht dort überhaupt – und wann wäre eine einfache Alternative genauso sinnvoll?

AKTUELL · ARTIKEL · FORSCHUNGSREISE · FOLGE 12

Was eine Begleitung wissen muss

Wer einen Menschen länger begleitet, erfährt vieles. Manche Beobachtung hilft, eine aktuelle Situation besser zu verstehen. Andere erzählt vor allem, was damals geschah. Ein gut gefüllter Aktenschrank weiß erstaunlich wenig darüber, welche Schublade heute gebraucht wird.

Für eine Lern-KI ist deshalb nicht nur interessant, wie viel sie über jemanden gespeichert hat. Entscheidend ist, welche Beobachtung eine konkrete Lernentscheidung trägt. Was wurde unter welchen Bedingungen gezeigt? Welche Hilfe war beteiligt? Wie alt ist die Beobachtung? Und wie weit darf der Schluss daraus reichen?

Im Coaching erhält diese Unterscheidung einen eigenen Anschluss. Eine Aussage aus einem Gespräch, unsere Deutung dieser Aussage und eine Entscheidung über den nächsten Schritt sind unterschiedliche Dinge. Auch eine plausible Deutung bleibt korrigierbar. Sie sollte dem Menschen nicht als fertige Beschreibung seines Wesens begegnen.

Widerspruch kann dabei besonders informativ sein. „So stimmt das für mich nicht“ muss weder das Ende jeder gemeinsamen Untersuchung noch ein Einspruch gegen eine vermeintlich überlegene Diagnose sein. Er kann zeigen, dass Kontext fehlt, eine Beobachtung veraltet ist oder die bisherige Frage am Anliegen vorbeiging.

Für ein mögliches KI-Werkzeug zwischen Sitzungen wären das offene Anforderungen. Es müsste kenntlich machen, worauf eine Annahme beruht, Unsicherheit stehen lassen und Korrekturen ermöglichen. Daraus folgt noch nicht, dass ein solches Werkzeug geeignet oder hilfreich ist. Das wäre erst zu untersuchen.

Folge 12 der Serie „KI, die lernen lässt“ schließt den ersten Forschungsbogen. Sie fragt, was ein Lernermodell wissen müsste – und weshalb es eine fehlbare, zweckgebundene Hypothese bleiben sollte. Die Anschlussfrage für Coaching lautet: Was müssen wir für diesen nächsten Schritt wissen, und was dürfen wir dabei gerade nicht über den Menschen zu wissen behaupten?

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