ARTIKEL · FORSCHUNGSREISE · FOLGE 11

Wann darf Begleitung zurücktreten?

Eine hilfreiche Begleitung macht etwas möglich, das allein noch schwer wäre. Das ist zunächst ihr Zweck. Irgendwann stellt sich trotzdem die Frage, was geschieht, wenn sie weniger mitarbeitet. Ein glänzendes Ergebnis im gut besetzten Team sagt noch nicht, was die einzelne Person später tun kann.

Beim Lernen wird untersucht, wie Unterstützung verändert und schrittweise zurückgenommen werden kann. Zu viel Hilfe kann Eigenarbeit ersetzen; zu wenig kann Lernen blockieren. Auch erste direkte Befunde zu generativer KI zeigen, weshalb Leistung mit Unterstützung und anschließende Eigenleistung getrennt betrachtet werden müssen.

Das liefert weder eine allgemeine Abschaltregel für KI noch einen wissenschaftlichen Termin für das Ende eines Coachings. Der Anschluss liegt in der Zielklärung: Welche Form von Eigenständigkeit ist für dieses Anliegen wichtig? Was soll auch ohne das gemeinsame Gespräch möglich werden? Und welche Unterstützung darf oder soll weiterhin dazugehören?

Begleitung zurückzunehmen ist dabei kein Wettbewerb im Alleinsein. Ein vereinbarter Versuch kann zeigen, dass ein Schritt inzwischen selbstständig gelingt. Er kann ebenso zeigen, dass noch Orientierung fehlt oder sich die Situation verändert hat. Dann wäre ein erneutes Unterstützungsangebot kein automatischer Rückschritt.

Wenn künftig ein KI-Werkzeug zwischen Sitzungen mitwirken sollte, müsste dieselbe Unterscheidung sichtbar bleiben. Hat es einen eigenen Versuch ermöglicht? Oder die Aufgabe so geschickt übernommen, dass wir die Hilfe mit dem Ergebnis verwechseln? Darüber entscheidet nicht die Freundlichkeit seiner Antwort.

Folge 11 der Serie „KI, die lernen lässt“ fragt, wann Hilfe zurücktreten darf. Für Coaching ist daran besonders interessant, wie eine begründete Entscheidung über Unterstützung überprüfbar bleibt – und wieder geändert werden kann, wenn der Alltag eine andere Aufgabe stellt.

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