Veränderung braucht nicht immer eine neue Methode
Wenn etwas in einer Sitzung oder Übung gelingt, stellt sich später eine unscheinbare Frage: Funktioniert es auch dann, wenn die Situation nicht mehr genauso aussieht?
Das klingt nach Transfer. Doch auch dort ist „anders“ keine einfache Größe: Bleibt eine Situation fast identisch, kann eine vertraute Lösung wiedererkannt werden. Wird sie sehr stark verändert, kommen möglicherweise neue Anforderungen hinzu. Dann lässt sich aus einem Scheitern nicht mehr ohne Weiteres schließen, dass das ursprüngliche Lernen nicht getragen hat.
Für Veränderungsarbeit ist diese Unterscheidung ausgesprochen vertraut. Eine neue Reaktion in einem geschützten Gespräch, dieselbe Reaktion im Alltag und eine ähnliche Handlung unter Druck sind nicht einfach drei Wiederholungen derselben Sache.
Die Lernforschung zeigt zudem, dass Variation keineswegs automatisch hilft. Manchmal fördern unterschiedliche Beispiele das Erkennen einer gemeinsamen Struktur. Manchmal brauchen Lernende zunächst mehrere ähnliche Situationen, damit diese Struktur überhaupt erkennbar wird.
Folge 5 der Serie „KI, die lernen lässt“ untersucht deshalb nicht, ob Abwechslung gut ist. Sie fragt genauer: Was muss in einer neuen Situation gleich bleiben, damit wir noch von demselben Können sprechen können – und was darf sich verändern?
Für Beratung und Coaching steckt darin eine praktische Erinnerung: Transfer entsteht nicht dadurch, dass wir die nächste Situation einfach schwieriger machen. Wir müssen wissen, welche Fähigkeit sich unter den veränderten Bedingungen erneut organisieren soll.