ARTIKEL · FORSCHUNGSREISE · FOLGE 6

Wenn Anstrengung noch kein Fortschritt ist

Manche Veränderungen fühlen sich mühsam an. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass etwas Neues ausprobiert wird. Es kann aber ebenso bedeuten, dass die Aufgabe unklar, zu groß oder schlicht schlecht gestellt ist.

Beim Lernen ist diese Unterscheidung gut untersucht. Bestimmte Bedingungen – etwa aktives Abrufen oder verteiltes Üben – können sich währenddessen schwieriger anfühlen und später trotzdem zu besserer Verfügbarkeit führen. Daraus folgt allerdings nicht, dass Schwierigkeit selbst die Ursache des Lernens wäre.

Für Beratung und Coaching ist diese Differenz vertraut. Eine Intervention wird nicht dadurch besser, dass sie anstrengend ist. Ein Widerstand ist kein Gütesiegel. Und ein Prozess muss nicht besonders unbequem werden, um wirksam zu sein.

Interessanter ist die Frage, welche Anforderung gerade sinnvoll ist. Fordert sie eine Fähigkeit heraus, die der Mensch entwickeln möchte? Gibt es genug Orientierung, um damit arbeiten zu können? Und woran würden wir später erkennen, dass die Anstrengung etwas ermöglicht hat?

Folge 6 der Serie „KI, die lernen lässt“ untersucht deshalb die Idee der „desirable difficulties“ – und ihre Grenzen. Die Forschung zeigt: Eine leichte Übung kann später wenig tragen. Eine mühsame Übung kann ebenso wenig tragen. Entscheidend ist nicht das Gefühl von Schwierigkeit, sondern was unter diesen Bedingungen gelernt und später selbstständig wieder hervorgebracht werden kann.

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