HYPNOSE & SELBSTREGULATION
Eigentlich können Sie es. Und genau dann, wenn es darauf ankommt, wird es schwerer, das auch zu nutzen.
Der Stoff sitzt – und in der Prüfung wird der Kopf leer. Die Präsentation ist vorbereitet – und plötzlich verändert sich die Stimme. Im wichtigen Gespräch steigt die Nervosität so stark, dass die eigene Klarheit kaum noch erreichbar scheint.
Dann fehlt nicht automatisch die Fähigkeit. Manchmal ist Können vorhanden, aber unter bestimmten Bedingungen schlechter verfügbar. Genau dort kann Selbstregulation interessant werden.
Nicht immer fehlt Können
Eine Schwierigkeit unter Druck kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht fehlt tatsächlich Wissen oder Übung. Vielleicht ist das Können vorhanden, aber im entscheidenden Moment schwerer nutzbar. Vielleicht verschärft der Kontext die Situation. Oder das Anliegen braucht einen anderen fachlichen Rahmen.
Diese Unterschiede sind wichtig, weil nicht jedes Problem durch mehr Training – und auch nicht jedes durch Selbstregulation – besser wird.
Nicht jede Nervosität muss verschwinden
Aktivierung ist nicht automatisch der Gegner. Vor einer anspruchsvollen Aufgabe gehören Wachheit, Spannung und Energie oft dazu. Entscheidend ist weniger, ob Sie vollkommen ruhig sind, sondern ob Denken, Sprechen, Erinnern und Handeln ausreichend möglich bleiben.
Nicht jede Nervosität muss verschwinden. Entscheidend ist, was wieder möglich werden soll.
Wo kippt es?
Hilfreich ist oft, die Situation nicht nur als Ganzes zu betrachten. Wann beginnt sie enger zu werden? Schon Stunden vorher? Beim Betreten des Raums? Beim ersten Blickkontakt? Nach einem Fehler? Erst wenn Sie merken, dass Sie sich selbst beobachten?
Solche Übergänge sind keine Diagnose. Sie zeigen, an welcher Stelle eine kleine Veränderung überhaupt erprobt werden könnte.
Was trägt schon?
Nicht jede Ressource muss aus genau derselben Situation stammen. Interessant ist eine konkrete Erfahrung, in der etwas von der benötigten Funktion bereits verfügbar war: klar denken, standfest bleiben, den Kontakt halten, beginnen, nachfragen, weitermachen.
Eine Ressource ist dabei nicht einfach etwas Angenehmes. Sie muss für die Aufgabe etwas tragen.
Wenn der Faden reißt
Fehlerfreiheit ist kein realistisches Trainingsziel. Eine eigenständige Kompetenz ist deshalb die Wiederaufnahme: nach einer Irritation, einer Lücke oder einem kurzen Blackout-Moment wieder zur Aufgabe zurückfinden.
- orientieren: Wo bin ich, was ist jetzt die konkrete Aufgabe?
- wenn möglich kurz Zeit gewinnen: Atemzug, Pause, Rückfrage, Blick auf die Gliederung
- den kleinsten noch verfügbaren Teil wählen: erster Unterpunkt, Strukturwort, nächste Frage
- fortsetzen, ohne auf vollständige innere Sicherheit zu warten
Es geht nicht darum, nie aus dem Tritt zu kommen. Entscheidend ist, einen Weg zurück zu haben.
Im Training darf es größer sein – im Ernstfall oft kleiner
Selbsthypnose kann helfen, hilfreiche Erfahrungen wiederzufinden, eine kommende Situation zu erproben und kleine Irritationen in die Vorbereitung einzubauen. Im tatsächlichen Moment ist häufig die kleinere Form nützlicher: Blick zur Aufgabe, Boden spüren, ein Strukturwort, eine kurze Pause, der erste verfügbare nächste Schritt.
Der Sinn des Trainings ist nicht, im Ernstfall ein langes Ritual zu brauchen. Es ist, mehr als einen Rückweg zu kennen.
Wenn der Blick anderer eine eigene Rolle spielt
Bei Prüfung, Auftritt oder professioneller Sichtbarkeit kommt häufig noch etwas hinzu: Man erledigt nicht nur eine Aufgabe, sondern erlebt sich dabei gleichzeitig als beobachtet oder bewertet. Dafür gibt es eine eigene Vertiefungsseite.
Zum Weiterlesen
Das Buch „Selbstregulation und Selbsthypnose – Prüfung, Auftritt, Sichtbarkeit“ vertieft die Arbeit mit Ressourcen, Kippmomenten, Aktivierung, Aufgabenfokus, Fehlern, Blackout-Momenten, Wiederaufnahme und realitätsnaher Vorbereitung.
Zum Buch: Selbstregulation und Selbsthypnose – Prüfung, Auftritt, Sichtbarkeit